Warum du Fehler machen musst, um voranzukommen

Fehler sind nicht einfach nur Erfahrungen. Sie sind Fehler. Und das ist okay. Leider haben wir Menschen mittlerweile ein sehr angespanntes Verhältnis gegenüber unserer eigenen Fehlerhaftigkeit. Würden wir Menschen nicht scheitern, könnten wir nicht lernen und neue Dinge ausprobieren. Stattdessen wir uns also ausreden wollen, auch mal daneben zu liegen, sollten wir anerkennen und akzeptieren, dass Fehler dazugehören. Ganz ohne Drama und gefürchtete Konsequenzen. Stattdessen mit jeder Menge Großzügigkeit und einer Portion Vergebung.

Fehler basieren auf Maßstäben und Bewertungen

Fehler zu machen, wird gesellschaftlich mitunter als maximal schrecklich betrachtet. Damit es Fehler geben kann, impliziert das auch, dass es ein Richtig geben muss und damit eine Art Maßstab oder eine Bewertung, anhand derer abzulesen ist, wann etwas (nicht) den Vorstellungen entspricht. In der Schule kann man dieses schwarz-weiß-Denken perfekt abbilden. Im Matheunterricht ist klar ersichtlich, wann etwas falsch und wann etwas richtig ist. All das basiert wiederum auf einem wissenschaftlichen System, das irgendwann erforscht und etabliert wurde.

Schwarz-weiß-Denken und das Schulsystem

Wir wissen also, dass 2 + 2, 4 ergibt. Und eben nicht 18.638. Gehen wir in ein anderes Unterrichtsfach über, wird diese Betrachtung schon schwieriger. Denk dich mal in deinen Deutschunterricht zurück. Stichwort Gedichtinterpretationen. Mir war schon immer schleierhaft, wie man hier eine 5 bekommen und vor allem vergeben kann. Solange du den Kontext irgendwie erfasst hast, etwas aufgeschrieben, entsprechend deines Wissens und deiner Gedanken interpretiert hast, war mir stets unklar, wie so etwas so miserabel bewertet werden kann.

Das Leben und die Forschung sind dynamisch

In den vornehmlich wissenschaftlichen Fächern hat das richtig und falsch System gut gepasst. Es war greifbar. Wobei auch hier immer wieder neue Erkenntnisse gewonnen werden, die veraltete Formeln, Studien und Berechnungen ablösen. Denn das Leben und die Forschung sind dynamisch und damit ständig in Veränderung. Wann immer wir also von Fehler sprechen, sprechen wir auch von einer Vorstellung oder Bewertung, die einem Richtig entsprechen.

Schritt für Schritt vorankommen

Als du als Baby oder Kleinkind begonnen hast zu laufen, hast du schmerzlich erfahren, was funktioniert und was nicht. Dann hast du immer wieder auf das zurückgegriffen, was funktioniert, um dich vor wiederkehrenden Schmerzen zu schützen und weiterzukommen. Du bist aber nicht eines schönen morgens aus deinem Bettchen gekrabbelt und konntest perfekt laufen. Du hast es geübt, bist hingefallen und wieder aufgestanden.

Angst vor der eigenen Unzulänglichkeit

Schon super früh hast du aus deinen Fehlern gelernt und dich nicht weiter an Ihnen aufgehalten. Du hast es einfach besser gemacht und fertig war der Laden. Aber vor allem hast du dir keine Gedanken darüber gemacht, was hätte passieren können, wenn du nicht den linken vor den rechten Fuß gesetzt hättest oder was passieren würde, wenn du es doch nochmal falsch machen würdest. That’s the main point! Obwohl wir ohne „Fehler“ nicht lernen können, haben wir große Angst davor sie zu machen.

Sanktionen im Kindesalter

Das könnte daran liegen, dass wir in unserer Kindheit erlebt haben, dass Fehler sanktioniert und bestraft wurden. Vielleicht sogar ziemlich hart angesichts des damaligen zarten Alters. Angenommen, du durftest ein Stück Disney Film schauen. Danach wurden baden und ins Bett gehen verabredet. 20 Minuten sind vergangen und dein 6-jähriges Ich war am Boden zerstört, weil es wissen wollte, wie es weiter geht. Es wütete und weinte. Logisch, sind Eltern von diesem Verhalten genervt.

Fehlerlosigkeit führt zu mehr Liebe?

Es könnte sein, dass sie dich in dieser Wut nicht aufgefangen und begleitet haben. Stattdessen wurdest du für dein Fehlverhalten bestraft. Mit Liebesentzug, einem Klaps oder damit, dass dir keine Gute Nacht Geschichte oder Kraulen zur Verfügung standen. Ergo erlebtest du, dass du etwas falsch gemacht hast und Bestrafung die Konsequenz ist. Da niemand bestraft werden möchte, wirst du dich vor erneuten Fehler hüten. Sofern die Trotzphase abgeschlossen und die Impulskontrolle beherrscht wird.

Reflektiere die Fehlerkultur deiner Eltern

In diesem Beispiel nimmt das aktive Verhalten des Kindes eine nicht unbedeutende Rolle ein. Noch unangenehmer wird es aber, wenn das Kind für das Ergebnis nur bedingt etwas kann. Du bringst eine 4 in Mathe mit nach Hause, obwohl du dich super angestrengt hast. Dein Papa ist enttäuscht und vergibt Hausarrest. Auch hier ist dein “fehlerhaftes” Handeln an miese Konsequenzen geknüpft. Und was wir auf kleinen Beinen lernen, breitet sich (unreflektiert) im erwachsenen Alter noch stärker aus.

Wir müssen scheitern um zu lernen

Wir lernen also, dass es besser, mitunter essenziell ist, keine Fehler zu machen. Fakt ist aber, dass wir jeden Tag Fehler machen. In der Persönlichkeitsentwicklungsszene heißt es häufig „du machst keine Fehler, sondern nur Erfahrungen“. Ich halte von dieser Betrachtung gar nichts. Denn genau das ist nur ein weiteres Mittel, um dich nicht damit auseinanderzusetzen, dass du Fehler machst. Es geht aber gar nicht darum, den Begriff des Fehlers zu refraimen, damit er leichter getragen werden kann, sondern darum zu akzeptieren, dass Fehler menschlich sind und zu einem jeden Lernprozess gehören.

Scham und Schuld lähmen dich

Es braucht keinen neuen Begriff, es braucht Akzeptanz gegenüber der eigenen Fehlerhaftigkeit. Menschen, die eine Affäre haben, verspüren häufig Schuld und hüten sich mitunter lange davor, mit der Wahrheit rauszurücken. Ein Anteil in ihnen fühlt, dass das eigene Handeln falsch ist. Dieser Anteil fühlt sich schrecklich. Ein Eingeständnis und die offene Kommunikation mit dem Partner würde die eigene Fehlerhaftigkeit darlegen. Gepaart mit Schuld und Scham sind diese Gefühle oftmals so schmerzhaft und intensiv, dass sie verdrängt und aufgeschoben werden.

Sind Menschen süchtig nach guten Gefühlen?

Natürlich machen Verdrängen und Ignorieren auf lange Sicht nichts besser. Für keinen der Beteiligten. Verständlich ist es aber durchaus, denn der Mensch ist immer dazu geneigt Schmerz eliminieren zu wollen und Glück zu fühlen. Auf der anderen Seite dieser Konstellation können manche “Betrogenen” diesen Fehltritt verzeihen und andere nicht. Das hat viele verschiedene Gründe. Angefangen mit der Beziehungshistorie, über den Charakter, aber vor allem das Wertesystem spielt dabei eine bedeutende Rolle.

Spiele nicht den Richter in deinem Alltag

Wie gut wir selbst mit Fehlern umgehen können, hängt also auch damit zusammen, wie gut wir verzeihen, vergeben und loslassen können. Wie krass spielst du selbst bei alltäglichen Dingen Richter(in)? Räumt der Partner den Geschirrspüler schon wieder falsch ein? Trifft die Partnerin mal wieder den falschen Ton? Zieht sich dein Kind zieht das T-Shirt immer noch falsch herum an? In der Regel gehen wir mit uns selbst am härtesten ins Gericht. Mach dir das mal bewusst! Wenn wir also easy-peasy über Hinz und Kunz richten, kannst du dir vorstellen, wie du mit dir selbst umspringst.

Loslassen als Schlüssel zur inneren Freiheit

Dieser innere Talk fällt meist viel gravierender und hässlicher aus. Für einen entspannteren Umgang mit Fehlern braucht es also nicht nur das Eingeständnis, sondern auch den wohlwollenden Blick auf sich selbst und die Fähigkeit, das Geschehene wieder loszulassen. Vielleicht braucht es an dieser Stelle auch eine kleine Reise zurück in die Vergangenheit, denn unsere Kindheit nimmt enormen Einfluss auf unser heutiges Leben und damit auch auf unseren Umgang mit Fehlern. Wenn du hier andocken willst, empfehle ich dir den Workshop „Du bist kein Kind mehr“. Dabei sortieren wir und lassen los, was das Zeug hält.

Lerne dir selbst und deinen Mitmenschen zu vergeben

Wann immer wir uns unserer Fehlerhaftigkeit bewusst werden, können wir auch entscheiden, ob es eine Entschuldigung braucht, um weitergehen zu können. Diese kann an eine andere Person gerichtet sein oder aber an uns selbst. Ich habe mich auch schon bei mir selbst entschuldigt, wenn ich mich schlecht behandelt habe. Wenn ich wochenlang weder Yoga noch Meditation oder andere Selfcare Routinen genutzt habe. Obwohl ich bemerkt habe, wie sehr ich sie brauche. Deshalb in einem miesen Gefühl aka meinem schlechten Gewissen zu verharren ist schlichtweg sinnlos.

Betrauere deine Unvollkommenheit nicht

Stattdessen heißt es vergeben, loslassen oder verändern. Nehme ich meine Praxis wieder peu à peu auf, gibt es keine Notwendigkeit mehr mich für die verpassten Stunden zu geißeln. Dann würde ich nämlich meinem Opfermodus verfallen und über meine Unvollkommenheit trauern. Vielleicht braucht der Anteil in dir, der dich beschimpft oder kacke findet, eine liebevolle Umarmung, statt weiterer harscher Worte. Denn genau das haben wir auch als Kinder gebraucht, wenn wir auf die Nase gefallen sind, um weiterzumachen.

Niemand macht alles richtig

Auf deiner ganz persönlichen Fehler-Reise wünsche ich dir Großzügigkeit, Ehrlichkeit und Selbstvertrauen. Niemand macht alles richtig! Weder Beyoncé, noch Elon Musk oder Mahatma Gandhi. Und wer definiert überhaupt deine Bewertung von richtig und falsch? Zück dir dein Journal und notiere dir deine Gedanken dazu. Ganz viel Mut beim Erkunden, Eingestehen und Vergeben. Ich freu mich über dein Feedback.

Love,
Nastasja

Außerdem interessant für dich:

Beziehungscoaching

Partnerschaft beginnt bei dir. Verwandle deine Beziehung in die Art von Partnerschaft, die dich wachsen lässt und nachhaltig glücklich macht.

Ghostwriting

Ich verwandle deine Visionen und Impulse aus dem Bereich der Persönlichkeitsentwicklung in fesselnde (e)-Bücher. 

Workshops & Seminare für Unternehmen

Team-Konflikte, ungesunde Kommunikation und innerbetriebliche Spannungen lösen? Und ob das geht!

Beiträge aus meinem Blog